Harari

Dass der Homo Sapiens sich selbst gerne als die Krone der Schöpfung bezeichnet, sich in den letzten 70 000 Jahren aber zusehends zum Schrecken der Ökosysteme entwickelt hat, dürfte ja mittlerweile bekannt sein. Dass aber all die Dinge die wir aus der Evolutionsgeschichte so selbstverständlich interpretierten und die Geschichtsschreibung, die ja immer eine Geschichte der Sieger ist,  in unser Weltbild übernommen und bisher viel zu wenig hinterfragt hat, wird einem ziemlich schnell beim lesen dieses Buches bewusst.

Der Historiker Harari erzählt hier kurzweilig, lehrreich und packend von der Geschichte der Menschheit, mit durchaus provokanten und ungewöhnlichen Ansichten und Perspektiven. Manche These mag auch nicht unumstritten sein, dennoch regt dieses Buch sehr zum Nachdenken an und löst mit Sicherheit so manche hitzige Debatte aus. Einen besonders intensiven Blick wirft der israelische Autor und Professor für Geschichte dabei auf die biologische und evolutionäre Entwicklung der Menschheit.

„Eine kurze Geschichte der Menschheit“ ist in vier Teile untergliedert. Der erste Teil „Die kognitive Revolution“ hat dabei den Menschen als Jäger und Sammler im Visier. Im zweiten Teil „Die landwirtschaftliche Revolution“ untersucht Harari die Ursachen und Auswirkungen des sesshaften Menschen im „Ackerbau und Viehzucht“ und die Geburt der Religionen. Der dritte Teil „Die Vereinigung der Menschheit“ beschäftigt sich u.a. mit der Erfindung des Geldes und dem Aufbau und den Strukturen von Hierarchien und Gesellschaften. Im vierten Teil  „Die wissenschaftliche Revolution“ wird systematisch der Werdegang des Homo Sapiens im Zeitalter der Globalisierung, des Kapitalismus und der digitalen Umwälzung beleuchtet. Von den großen Weltreichen und prägenden Persönlichkeiten der Weltgeschichte wird hier nur kurz berichtet, dabei aber umso intensiver von den Zusammenhängen der Evolutionsbiologie, der Soziologie und der Linguistik.

Dieses Buch unterscheidet sich dadurch mit seinen Betrachtungen und Analysen von konventionellen Historikern und herkömmlichen Historien, was dem Autor auch viel Kritik eingeheimst hat. Dennoch schaut er hinter die „Geschichtskulissen und lüftet so manchen Vorhang der Ignoranz, des Fundamentalismus und unbeweglichen Denkmustern. „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ ist ein Füllhorn an Überraschungen über Politik, Gesellschaft und Kultur.

Frank Paulus

Harari, Yuval Noah: „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ in der Stadtbücherei

Advertisements